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Deutsche und polnische Osterbräuche

Ostereier

Osterhase, Eiersuche, Jaudusfeuer und Wasserschlacht: So unterschiedlich wie die Menschen sind auch die Bräuche, die sie mit Ostern verbinden. Dabei findet man in Deutschland und in Polen unzählige Ostertraditionen, deren Spuren zum Teil über das Mittelalter bis hin ins Heidentum zurück reichen.

Das Wort „Ostern“ leitet sich vermutlich vom altgermanischen Wort „austro“ für „Osten“, in seiner eigentlichen Bedeutung „Morgenröte“, ab und symbolisiert das Frühlingserwachen. Möglicherweise geht der Name des Festes aber zurück auf „Ostara“ bzw. „Eoastrae“ - die germanische Göttin des Frühlings und der Fruchtbarkeit. In der polnischen Sprache heißt Ostern „Wielkanoc“, also „große Nacht“. Der Begriff spielt auf die Nacht der Auferstehung Jesu Christi von den Toten an.

Seit dem Jahr 1091 beginnt der österliche Festkreis mit dem Aschermittwoch, dem eine 40-tägige Fastenzeit folgt. Was man fastet, bestimmt jeder für sich: Einige essen nur eine Mahlzeit am Tag, andere verzichten auf Alkohol, Süßigkeiten oder Fleisch. Ostern gehört dabei zu den beweglichen Festen, deren Kalenderdatum jedes Jahr variiert. Ausschlaggebend für die Berechnung des Datums ist der Frühlingsvollmond: Ostersonntag soll am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert werden

Die Auferstehung Jesu Christi ist jedoch nicht der einzige Grund, Ostern zu zelebrieren. Das Fest ehrt ebenso den Frühling – die Jahreszeit, in der die Natur zum Leben erwacht. Dies macht sich insbesondere in den Ostersymbolen bemerkbar. Ostereier verkörpern den Ursprung des Lebens und finden sich in Bräuchen wie dem Eierfärben und Eiersuchen wieder. In Polen hat jede Region ihre eigene Kratz- und Maltechnik, um das Hühnerei in ein folkloristisches Kunstwerk zu verwandeln. Auch der Osterhase verkörpert in beiden Ländern das Osterfest. Er ist ein wichtiger Frühlingsbote und gleichzeitig ein Symbol der Fruchtbarkeit.

In Deutschland ist der Karfreitag ein bedeutender Tag des österlichen Festkreises. Das merkt man vor allem daran, dass er ein gesetzlicher und zugleich stiller Feiertag ist, an dem besondere Einschränkungen für öffentliche Veranstaltungen wie das Tanzverbot gelten. Sowohl in Deutschland als auch in Polen isst man am Karfreitag traditionell Fisch.  

Auch der Karsamstag gilt der Stille und Besinnung. Trotzdem werden an diesem Tag oftmals die Vorbereitungen für das Osterfest getroffen. In beiden Ländern werden Ostereier gefärbt, die Wohnungen geputzt und österlich dekoriert. In Deutschland werden traditionell Osterlämmer und Hefezöpfe gebacken. Viele polnische Familien gehen am Karsamstag mit einem Körbchen in die Kirche, um Speisen (Święconki) segnen zu lassen, die sie am Ostersonntag beim gemeinsamen Osterfrühstück verzehren. In dem Korb findet man hauptsächlich Brot, Eier, ein Osterlamm, Wurstwaren und Meerrettich. In einigen deutschen Regionen wird am Abend des Karsamstags das Osterfeuer oder auch Jaudusfeuer entfacht, das die Wiederauferstehung Jesus Christus symbolisieren soll.

Am Ostersonntag endet die 40-tägige Fastenzeit. An diesem Tag suchen Kinder in Deutschland und in Polen nach bunten Ostereiern sowie österlichen Schokoladenfiguren und Geschenken, die der Osterhase zuvor im Garten versteckt hat. Der Höhepunkt des Ostersonntags ist in beiden Ländern das gemeinsame Osterfrühstück.

Am Ostermontag enden die Feierlichkeiten. Doch in Polen beginnt dann der eigentliche Spaß: „Śmigus-dyngus“ ist der Tag des Wassergießens, bei dem sich Jugendliche mit Wasserpistolen, Flaschen und Eimern gegenseitig nass machen. Dabei zeigen die Männer den Frauen, die sie mit Wasser begießen, ihr Interesse an ihnen. Dieser Brauch hat sehr alte Wurzeln, denn er stammt aus dem Jahre 966, als der polnische Herrscher Mieszko I. am Ostermontag getauft wurde und Polen somit zum Christentum bekehrte. So endet Ostern in Polen bis heute feucht-fröhlich.


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