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Das Projekt „Deutsch-Polnisches Haus“ geht weiter voran

Am 29.08.2023 stellten Kulturstaatsministerin Claudia Roth und Staatsministerin Anna Lührmann in Berlin mit einem Eckpunktepapier ein detailliertes Konzept für die Umsetzung des Projektes „Deutsch-Polnisches Haus“ vor. Neben einem Denkmal für die polnischen Opfer des Nationalsozialistischen Deutschlands soll das „Deutsch-Polnische Haus“ Ausstellungen zur Geschichte der deutschen Besatzung Polens sowie zur jahrhundertelangen Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen zeigen. Vorgesehen sind darüber hinaus Bildungsprogramme und Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte oder Vorträge, um Raum für Begegnungen und Austausch zu ermöglichen. 

Nun schreiten die Vorbereitungen für das „Deutsch-Polnische Haus“ in Berlin weiter voran. Mehrere Veranstaltungen haben bereits stattgefunden und mittlerweile ist ein Realisierungsvorschlag entstanden, der im Sommer den politischen Entscheider*innen vorgelegt werden soll. Dafür gab es zahlreiche Expert*innengespräche und Abstimmungstreffen, auch mit verschiedenen politischen Ebenen, vor allem in Berlin. Des Weiteren ist inzwischen die Webseite des Deutsch-Polnischen Hauses online, auf der die Ergebnisse der Jugend-Ideenlabore präsentiert werden. Auch das neue Logo des Projekts wurde dort bekanntgegeben. 

Erste Idee zum „Deutsch-Polnischen Haus“ im Jahr 2017 

Das Projekt des „Deutsch-Polnischen Hauses“ geht auf verschiedene Meilensteine seit 2017 zurück: Am Anfang stand eine Initiative der Bundestagspräsidenten a. D. Prof. Dr. Rita Süssmuth und Dr. h. c. Wolfgang Thierse, des ehemaligen Direktors des Deutschen Polen-Instituts, Prof. Dr. Dieter Bingen und des ehemaligen Direktors der Stiftung Topographie des Terrors, Prof. Dr. Andreas Nachama. Sie richteten sich mit einem Aufruf zur Errichtung eines Denkmals in der Mitte Berlins zum Gedenken an die Opfer der deutschen Besatzung in Polen 1939-1945 an den Deutschen Bundestag und die deutsche Öffentlichkeit. Weitere Unterzeichner des Aufrufs waren damals der brandenburgische Ministerpräsident und damalige Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-polnischen Beziehungen, Dr. Dietmar Woidke, die deutsche Generalkonsulin in Danzig, Cornelia Pieper, der Direktor des Europäischen Solidarność-Zentrums, Basil Kerski, sowie Prof. Dr. Gesine Schwan, Humboldt-Viadrina Governance Platform gGmbH und die Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi e. V., Potsdam.  

Schon damals war neben der Errichtung eines Denkmals die Schaffung eines Ortes mit einer Ausstellung zur deutsch-polnischen Geschichte und umfangreichen Bildungs- und Begegnungsaktivitäten Ziel des Projektes. Ende 2019 regte die Stiftung Denkmal die Schaffung eines Dokumentationszentrums der deutschen Besatzungsherrschaft in Europa zwischen 1939 und 1945 im Herzen Berlins an. Seit 2020 entwickeln das Deutsche Polen-Institut (DPI) und die Stiftung Denkmal diese Ideen gemeinsam weiter. Am 30.10.2020 stimmten dann die damaligen Regierungsfraktionen zusammen mit der Fraktion „DIE LINKE" dem Beschluss "Mit einem Ort des Erinnerns und der Begegnung dem Charakter der deutsch-polnischen Geschichte gerecht werden und zur Vertiefung der besonderen bilateralen Beziehungen beitragen" zu. Das Auswärtige Amt legte am 15.09.2021 ein erstes Konzept für einen „Ort des Erinnerns und der Begegnung mit Polen“ vor.

Seit der Bundestagswahl im Herbst 2021 wird nun im Auftrag der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) und unterstützt mit insgesamt 1 Mio. EUR Bundesmitteln das Konzept weiterentwickelt. Damit beauftragt wurde eine paritätisch besetzte Stabsstelle von DPI und Stiftung Denkmal, die wiederum das genannte Eckpunktepapier vorstellte.  Das im August vorgestellte Eckpunktepapier dient dabei als Grundlage für die Erarbeitung eines Realisierungsvorschlags. Eine im März 2023 eigens bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas eingerichtete Stabsstelle ist mit der Konzeption des Realisierungsvorschlags befasst, die Mittel dafür kommen von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Eine enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Polen-Institut (DPI) ist Kern des Vorhabens. 

Veranstaltungen und Einbindung der Zivilgesellschaft flankieren das Projekt 

Die Entwicklung hin zum „Deutsch-Polnischen Haus. Gedenken - Begegnen - Verstehen“ wird begleitet durch verschiedene, öffentliche Veranstaltungen, darunter die Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen am 1. September 1939. Zum 85. Jahrestag am 1. September 2024 ist die Eröffnung einer Wanderausstellung zur deutschen Besatzungsherrschaft in Polen 1939 bis 1945 geplant. In der Konzeptionsphase sollen in unterschiedlichen Formaten Expert*innen, Vertreter*innen der Zivilgesellschaft und Jugendliche aus Polen und Deutschland eingebunden werden. In sogenannten „Transparenzforen“ soll regelmäßig digital über den Umsetzungsstand berichtet werden. Das Transparenzforum soll einen vertieften Zugang zu der Arbeit am „Deutsch-Polnischen Haus“ bieten und die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen und Anregungen einzubringen. Das erste dieser Foren war am 31.08.2023, ein weiteres soll voraussichtlich im Dezember 2023 stattfinden.  

In der aktuellen Debatte rund um das „Deutsch-Polnische Haus“ stehen neben dem Wiederaufleben der Standortfrage – Anhalter Bahnhof versus ehemalige Krolloper im Tiergarten – zwei Fragen im Raum: Zum einen, mit welchem Fokus die geplanten Komponenten Denkmal, Bildung und Begegnung umgesetzt werden sollen. Die Autor*innen des Eckpunktepapiers wollen einen Ort, der „sowohl individuelles als auch offizielles Gedenken“ ermöglicht, andere sehen dadurch die Idee eines Denkmals als „zentralem Element“ in Gefahr und erwarten, dass ein eindeutiges Mahnmal eine unabdingbare Geste der Würdigung und Verneigung der Deutschen vor Polen sein muss. Zum anderen besteht die Besorgnis, dass alles zu lange dauert und die Zeitplanung nicht ausreichend in Betracht zieht, dass die letzten Zeugen deutscher Besatzungsherrschaft in Polen die Grundsteinlegung des Gedenk- und Begegnungsortes noch erleben können.  

 

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